Hat noch jeder die Heldenreise im Kopf? Falls nicht, bitte vorher noch einmal in meinem Blogartikel "Wie plotte ich eigentlich" nachlesen ;-)
Ich habe mir überlegt, dass ich als Beispiel zuerst ein Märchen verwenden werde, weil ich da am wenigsten Gefahr laufe zu spoilern. Heute also die Heldenreise des Aschenputtels.
1. Die gewohnte Welt: Wir lernen Aschenputtel kennen, abgesehen von der Vorgeschichte (ihre Mutter ist bei der Geburt gestorben, auf ihrem Grab hat Aschenputtel ein Bäumchen gemäß dem Wunsch der Mutter gepflanzt, der Vater hat noch einmal geheiratet, ihre Stiefmutter bringt zwei Töchter mit in die Ehe) erfahren wir, dass das Verhältnis von Aschenputtel zu ihrer Stiefmutter und den Stiefschwestern mehr als schlecht ist, Aschenputtel muss als Dienstmädchen herhalten, der Vater taucht praktisch nie auf. In manchen Versionen stirbt er ebenfalls frühzeitig, sodass die Stiefmutter das alleinige Sagen hat.
2. Der Ruf zum Abenteuer: Ein Brief des Königs trudelt ein, er lädt alle Heiratswilligen jungen Frauen zum Ball.
3. Der Held weigert sich: Hier wird in dem Fall der Heldin etwas verweigert. Sie darf nicht mit zum Ball, weil man sich ihrer doch nur schämen kann, schließlich sieht sie unmöglich aus.
4. Ein Mentor überredet den Helden, es doch zu wagen: In diesem Fall ist es die Heldin selbst, die die Stiefmutter überredet, es auf einen Handel ankommen zu lassen, woraufhin die Stiefmutter Linsen in eine Schale füllt, die Aschenputtel bis zum Abend lesen soll "Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen", wohlwissend, dass sie das nicht schaffen kann.
5. Punkt ohne Wiederkehr: Aschenputtel lässt sich auf den Handel ein, verzweifelt an der Aufgabe, aber Tauben kommen ihr zur Hilfe und lesen die Linsen aus. Aschenputtel geht zum Grab der Mutter und bittet: "Bäumchen rüttel dich, Bäumchen schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich", woraufhin ein Ballkleid herabfällt.
6. Erste Bewährungsprobe: Aschenputtel geht zum Ball, verlässt ihn pünktlich um Mitternacht, und der Prinz, der den ganzen Abend mit ihr getanzt hat, ist enttäuscht. Genauso wie Aschenputtel, denn es ist alles wie zuvor, an ihrer Situation hat sich nichts geändert.
7. Vordringen in die tiefste Höhle: Das Spiel wiederholt sich, doch das zweite Mal hat der Prinz vorgesorgt und die Treppe mit Pech bestrichen, sodass Aschenputtels Schuh hängen bleibt. Jetzt hat der Prinz etwas in der Hand, und Aschenputtel wird gewahr, dass er es tatsächlich ernst meint. Er möchte das Mädchen, dem der Schuh passt, heiraten.
8. Die entscheidende Prüfung: Der Prinz sucht anhand des Schuhs das geheimnisvolle Mädchen vom Ball. Die Stiefschwestern versuchen mit allen Mitteln den zierlichen Schuh anzuziehen, während Aschenputtel davon abgehalten wird. Die Schwestern schneiden sich sogar Zehen und Ferse ab, um den Schuh passend zu gestalten. Die Lage scheint aussichtslos, weil der Prinz mit der falschen Braut davon reitet.
9. Auffinden der Lösung/des Schatzes: In diesem Fall sind es die Tauben, die Aschenputtel helfen "Ruckedigu, Ruckedigu, Blut ist im Schuh, der Schuh ist viel zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim", woraufhin der Prinz samt vermeintlicher Braut umkehrt und sich fragt, wo die richtige Braut ist.
10. Auferstehung aus Todesnähe/neuer Anlauf: Aschenputtel bekommt endlich ihre Chance und probiert den Schuh an, der wie angegossen passt.
11. Der Feind wird besiegt: Aschenputtel wird zum Leidwesen ihrer Stiefmutter und Stiefschwestern vom Prinz zu dessen Braut erklärt.
12. Rückkehr in das alte, neue Leben: Aschenputtel heiratet den Prinzen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende, je nach Version werden die Stiefschwestern auch noch bestraft.
Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit meiner Darstellung, das ist meine ganz persönliche Meinung, wie ich das Märchen im Format der Heldenreise aufschlüssele. Wenn ihr anderer Meinung seid, schreibt mir doch gerne etwas dazu ;-)
Nächste Woche suche ich euch ein Beispiel für das Sieben-Punkte-System heraus ;-) Macht es gut und bleibt gesund!